NEFF e.V. c/o Evang. Pfarramt Lichtenhof Allersberger Str. 116 90461 Nürnberg

Wir sind nun im Gemeindezentrum der Gustav-Adolf-Kirche eingezogen. Herzlich danken wir der Gemeinde in Lichtenhof für das Angebot. Wir haben eine kleines Büro und gute Möglichkeiten, die Tagungsräume zu nutzen. Die Arbeit kann weitergehen. Termine finden Sie wie immer unter Veranstaltungen.

 

 

 

 

Zum Verständnis unseres Umzuges lesen Sie bitte nachfolgende Stellungnahmen.

Stellungnahme vom 19.1.2017:

Ein Flugblatt, das die Politik Israels gegenüber den Palästinensern sehr kritisch beleuchtet, ist für das Ev.-Luth. Dekanat Nürnberg Anlass, dem NEFF e.V. (Nürnberger Evang. Forum für den Frieden) das Gastrecht im eckstein - Haus der Kirche zu entziehen. Verteilt wurde das Flugblatt bei einer Mahnwache im November 2016 am Hallplatz. Ohne Kontaktaufnahme mit dem NEFF fasste der Dekanatsausschuss im Dezember den Beschluss, dem NEFF das Büro und alle bisher gewährten Fördermittel ab 1.4. zu entziehen. Dies wurde dem NEFF am 18.1.17 bekannt gemacht.

Das NEFF, 1982 im Zuge der Nachrüstungsdebatte von engagierten, friedensbewegten evangelischen Christinnen und Christen als Basisgruppe gegründet und durch einen Trägerverein abgesichert, will kritische Gegenöffentlichkeit sein. Es hat sich nicht nur der Politik, sondern auch kirchlichen Einstellungen gegenüber immer wieder deutlich  positioniert. Erinnert sei an die Frage von Wehrdienst und Kriegsdienstverweigerung als beinahe kirchenspaltendes Thema und an den Anti-Apartheidsboykott gegenüber Südafrika.

 Wenn Dekan Körnlein in seinem TELEGRAMM an alle kirchlichen Mitarbeitenden des Dekanats am 19.1.17 schreibt „… dass wir innerhalb unserer evangelischen Kirche unbedingt Gruppen brauchen, die Themen gegen den Strich bürsten und die dem Mainstream und Kirchenleitungen widersprechen. Natürlich auch im Haus eckstein.“, dann muss er sich fragen lassen, wie dies mit dem Rausschmiss des NEFF zur Deckung zu bringen ist.Das NEFF ist keine Einrichtung des Dekanats. Es hatte jedoch seinen festen Platz im eckstein und hat – vor allem von Spenden und dem Engagement der Mitglieder getragen – den konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung durch eine Vielfalt von Veranstaltungen auch stellvertretend für das Dekanat repräsentiert. Davon trennt sich das Dekanat jetzt.

Das NEFF protestiert gegen diesen Schritt, aber es wird nicht aufgeben! Unter erschwerten Bedingungen wird die Arbeit weiter gehen. Die Themen und Anliegen sind zu wichtig, um von Christinnen und Christen ignoriert zu werden.

Brief an die Mitglieder des Dekanatsausschusses vom 14. Februar 2017

Sehr geehrte Mitglieder des Dekanatsausschusses,

Ihre Entscheidung vom 13.12.2016 bedeutet für die Arbeit des NEFF einen massiven Einschnitt, der bei den Aktiven Unverständnis und Verärgerung hervorgerufen hat.

Nachfolgende Stellungnahme reflektiert dies:

Die Entscheidung des Dekanats, dem NEFF die Unterstützung zu entziehen und das Friedensbüro im eckstein, dem Haus der evang.-luth. Kirche (!), zu schließen, bedeutet für die Fortführung der Friedensarbeit eine erhebliche finanzielle und organisatorische Belastung. 

Dennoch steht für das NEFF außer Frage, seine Arbeit – einschließlich des Themenfeldes Israel-Palästina – fortzusetzen. Die Parteinahme für die Rechte der Palästinenser_innen ist ein zentrales Anliegen engagierter Friedensarbeit. Notwendig gehört hierzu eine deutliche Kritik an der Regierung des Staates Israel, da die Besatzungs- und Siedlungspolitik nicht nur die Menschenrechte verletzt, sondern auch eine friedliche Koexistenz von Israel und Palästina verunmöglicht. Um den Staat Israel zu einem veränderten Handeln zu bewegen, muss politische Einflussnahme auf verschiedenen Ebenen ausgeübt werden – von der UNO über nationale Regierungen, Ökumenischen Organisationen (z.B. dem ÖRK) und Kirchenvertreter_innen bis hin zu Basisgruppen. Dabei werden unterschiedliche Schwerpunkte, Aktions- und Protestformen angewandt. Das NEFF vertritt – zusammen mit anderen Organisationen wie z.B. Pax Christi – die Überzeugung, dass auch die ökonomischen Zusammenhänge gesehen werden müssen: Ohne wirtschaftlichen Druck wird der Staat Israel nicht zu einer Aufgabe der Siedlungen bereit sein.

 Die Intention des Flugblattes, das für das Dekanat der Auslöser für den Rauswurf aus dem eckstein war, hat diese ökonomischen Zusammenhänge thematisiert. Dabei ist es wohl nicht gelungen, die unaufgebbaren Inhalte so zu präsentieren, dass sie keine Missverständnisse hervorrufen konnten.  Das NEFF ist sich der Schwierigkeiten bewusst, die mit der Israel-Palästina-Thematik auf dem Hintergrund der deutschen Geschichte verbunden sind. Es ist von daher immer auf der Suche nach geeigneten Kommunikationsformen für die politischen Inhalte. Anstößiges kann und soll dabei – auch mit der gebotenen historischen Sensibilität – nicht ausgespart werden. Das NEFF hat den Anspruch, für diese Fragen ein öffentliches Diskussionsforum zu bleiben.

 Das Dekanat hat auf Differenzen über die Ausgestaltung dieses Engagements für den Frieden im Nahen Osten mit der Aufkündigung der Zusammenarbeit reagiert. Dies ist kein geeignetes Mittel der Auseinandersetzung. Vom konziliaren Prozess her, dem sich ja nicht nur das NEFF, sondern auch die ELKB verpflichtet weiß, wären stattdessen Diskurs und Dialog geboten, und zwar in einem offenen Prozess. Der methodische Dreischritt des konziliaren Prozesses „Sehen-Urteilen-Handeln“ fordert sach- und nicht machtorientiertes Ringen um Positionierung. Es steht im Gegensatz zu statischem Regelungsverhalten.

 Das Dekanat hat mit dem Ausschluss des NEFF ein Arbeitsfeld mit vielen Menschen ausgrenzt, die mehr als 30 Jahre lang engagierte Friedens- und konziliare Arbeit im Dekanat und auch ein Stück stellvertretend für das Dekanat geleistet haben. Will Kirche so ein Zeichen nach innen und außen setzen? Und haben sich die Verantwortlichen überlegt, wie sie selbst zukünftig die konziliaren Themen füllen und gestalten können? Oder werden diese fortan nicht mehr im eckstein hörbar sein?

 

In der Hoffnung, dass die Arbeit im konziliaren Prozess weitergeht,

grüßt Sie

Hertha Steinmaier

für das Team und den Vorstand des NEFF